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Coaching & Mediation

29.06.2022

Besonderheiten und Methoden der Familien- und Paarmediation

Familien- und Paarmediation.pngIn der Familienmediation spielen, ähnlich wie in der Paarmediation, in vielen Fällen eine lange gemeinsame Konfliktgeschichte, gemeinsame Höhen und Tiefen und viele geteilte Erlebnisse eine große Rolle. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Atmosphäre während einer Familien- bzw. Paarmediation oft sehr emotional aufgeladen ist und die Teilnehmenden Raum brauchen, um ihre Gedanken und Gefühle zu formulieren.

Was hat diese Erfahrung für einen Einfluss auf den Ablauf einer Mediation?

Eine Mediation verläuft in mehreren Phasen, die meist über mehrere Termine verteilt sind. Sie startet mit der Einleitung, bei der es darum geht, die gemeinsamen Rahmenbedingungen für das Gespräch zu vereinbaren und ein sogenanntes Arbeitsbündnis zu schließen. Eine wichtige Grundlage, um in der Mediation anders miteinander im Gespräch zu sein, als es ansonsten vielleicht der Fall war.

Im nächsten Schritt ist das Ziel, die Themen herauszuarbeiten, die die Teilnehmenden bewegen und die sie in der Mediation klären möchten – denn in der Regel wird nicht unbedingt jedes Thema, das in der gemeinsamen Vergangenheit eine Rolle gespielt hat, auch in die Mediation eingebracht. Die Medianden entscheiden eigenverantwortlich und gleichberechtigt darüber.

Die dritte Phase der Mediation dient der Klärung der individuellen Hintergründe für ein bestimmtes Verhalten oder eine bestimmte Situation. Hierbei geht es darum, hinter die Position zu blicken, die jemand vertritt, und die unterschiedlichen Perspektiven zu verstehen. Meine Aufgabe als Mediatorin ist hier, zunächst diesen Raum für alle Beteiligten - möglichst zu gleichen Teilen - zu öffnen, durch meine Fragen das gegenseitige Verstehen zu unterstützen und Erkenntnisse der Mediandinnen und Medianden sichtbar und spürbar zu machen. Eine besondere Bedeutung hat das Wahrnehmen von Gemeinsamkeiten für den Mediationsprozess. Die dritte ist eine sehr intensive Phase, in der die Emotionen nach meiner Erfahrung besonders in der Familien- und Paarmediation Raum brauchen und die im ersten Termin oft noch nicht abgeschlossen ist.

Aufbauend auf den Erkenntnissen der dritten Phase können in der vierten Phase gemeinsam Lösungen entwickelt werden, die den Interessen aller Mediationsparteien möglichst gleichermaßen, fair und realisierbar gerecht werden. Es geht nämlich nicht darum, einen „faulen“ Kompromiss zu schließen oder die Interessen einer Partei über die einer anderen zu stellen. Deshalb ist es so wichtig, die Interessen und Handlungsmotive aller in der dritten Phase greifbar zu machen.
 
In der fünften Phase werden – wenn gewünscht – die Ergebnisse und Vereinbarungen schriftlich festgehalten. Die gemeinsame Formulierung bringt den Vorteil, dass nochmal eine Konkretisierung stattfindet. 

Welche Methoden können besonders in der dritten Phase unterstützen?

Sehr viele Erkenntnisse bringt nach meiner Erfahrung der Beziehungsstrahl, bei dem alle Beteiligten – jede:r für sich – ein „EKG“ der Höhen und Tiefen der für den Konflikt besonders relevanten Zeit zeichnen und erläutern. Es stellt sich dabei die Frage, nach der Art der Veränderungen in der Beziehung (schleichend oder eher plötzlich), nach Wendepunkten und deren Hintergründen oder nach gemeinsamen Verhaltensmustern. Hierbei erkennen die Mediandinnen und Medianden oft eine Menge bei sich selbst und natürlich den anderen Konfliktbeteiligten.

Einen guten Überblick über Beziehungen bieten Figurenaufstellungen. Hier geht es darum, Nähe, Entfernung oder Zugewandtheit aller relevanten Personen mit Figuren darzustellen und das Ist mit dem gewünschten Zustand zu vergleichen. Oft ergibt sich daraus auch bereits eine erste Idee, welche Veränderungen in den Beziehungen wirksam sein könnten.

Auch sehr hilfreich erlebe ich das sogenannte „Hotel der Bedürfnisse“. Nicht für jeden sind unerfüllte Bedürfnisse, die oft hinter einem Konflikt versteckt sind, klar und offensichtlich. Eine gute Möglichkeit, diese ans Licht zu bringen ist es, durch die Zimmer des Hotels der Bedürfnisse zu gehen. In den verschiedenen Zimmern des Hotels findet man verschiedene Bedürfnisse, die die Beteiligten für sich „einsammeln“ können. Nachdem alle Beteiligten ihre wichtigsten Bedürfnisse benannt haben, werden sie anschließend gegenseitig erläutert und oft zeigt sich, dass die Bedürfnisse gar nicht so verschieden sind oder bisher womöglich einfach missverstanden wurden.

Ich freue mich immer wieder – egal ob unterstützt durch eine dieser oder die vielfältigen anderen Methoden der Mediation – wenn meine Mediandinnen und Medianden Verständigung und mehr Miteinander finden. Einer der schönsten Momente ist es zu sehen, wie eine Umarmung neue Verbindung schafft…

Gerne unterstütze ich euch bei der Lösung von Konflikten!

Eure Katharina

Katharina Temme - 16:15 @ Mediationsverfahren, Mediations-Tools | Kommentar hinzufügen

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